Aiolopus thalassinus
DE:
Grüne Strandschrecke
EN:
Slender Green-winged Grasshopper
FR:
L' Aïolope émeraudine
L' Oedipode émeraudine
IT:
Aiolopo smeraldino
Aiolopus acutus Uvarov, 1953 | Epacromia angustifemur Ghiliani, 1869 | Gryllus flavovirens Fischer von Waldheim, 1846 | Acridium grossum Costa, 1836 | Aiolopus thalassinus kivuensis Sjöstedt, 1923 | Acridium laetum Brullé, 1840 | Epacromia rufipes Ivanov, 1888
Morphologie
Aiolopus thalassinus ist eine schlanke Heuschrecke, deren Grundfärbung meist grünlich ist. Auffallend sind dabei oft kräftige, leuchtende Grüntöne. Besonders bei den Männchen treten jedoch häufig auch graue oder braune Farbvarianten auf. Die langen Flügel überragen die Hinterknie um etwa die halbe Länge der Hinterschenkel. Sie weisen zwei helle Querbänder auf und sind ansonsten sehr variabel mit kleinen bis grossen dunklen Flecken gezeichnet. Bei den Weibchen befindet sich oft unterhalb des Medialfelds in der vorderen Flügelhälfte ein unscharf begrenzter grüner Streifen. Die Hinterflügel sind an der Basis gelblich-grün getönt und ansonsten – bis auf eine leichte Bräunung an der Spitze – glasig klar. Die Hinterschenkel sind schmal (in der Regel schmaler als die Flügel) und etwa 4- bis 4,5-mal so lang wie breit. Die Hinterschienen sind unterhalb des Knies hell bis gelblich, selten bläulich gefärbt und gehen gegen die Füsse hin in Gelb- bis Rottöne über.
Grössenangaben
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♂ 15-21 mm
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♀ 19-29 mm
Gesang
Beide Aiolopus-Arten zeigen keinen typischen Spontangesang. Bei Kontakten mit Artgenossen werden leise Schwirr-Laute geäussert. Wenn sich zwei Männchen begegnen, erzeugen sie abwechslungsweise solche Laute. Es scheint wie eine Art Kräftemessen. Wenn die Männchen ein Weibchen lokalisiert haben (das geschieht etwa, wenn ein Weibchen auffliegt und landet), bewegen sie sich in kurzen Sprüngen auf das Weibchen zu und erzeugen jeweils nach der Landung Schwirr-Laute. Danach erfolgt meistens ein Paarungsversuch. Beide Geschlechter erzeugen im Flug ein leises Flugschnarren.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Aiolopus thalassinus erstreckt sich von Portugal und Südeuropa ostwärts bis nach Südasien und Australien. Die südliche Verbreitungsgrenze reicht bis Südafrika, die nördliche bis in die Region Mainz (Deutschland). In Deutschland konzentrieren sich die Vorkommen auf die Oberrheinische Tiefebene. In der Schweiz beschränkt sich das aktuelle Areal auf das Südtessin, die Region Genf und – seit 2014 – auch auf die Umgebung von Basel. Seither breitet sich die Art kontinuierlich nördlich der Alpen aus. Einige frühere Bestände am Genfersee und im Wallis sind hingegen erloschen. Beobachtungen der Art reichen bis in Höhen von rund 1200 m ü. M.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere sind von Ende Juli bis Anfang Oktober anzutreffen.
Während die Art in Südeuropa überwintern kann und daher bereits früh im Frühjahr beobachtet wird, liegen nördlich der Alpen keine derartigen Frühbeobachtungen vor; hier erscheint die Art erst im Sommer. Die Eiablage erfolgt in feuchten Boden. Die Larven schlüpfen im Folgejahr und durchlaufen vier bis fünf Entwicklungsstadien. Als wärmeliebende Art profitiert Aiolopus thalassinus stark von der aktuellen klimatischen Entwicklung und breitet sich nördlich der Alpen stetig aus. Immer wieder tauchen Vorkommen meist unerwartet an neuen Standorten auf. Einige dieser Populationen bestehen nur wenige Jahre, bevor die Art aufgrund der fortschreitenden Vegetationsentwicklung wieder verschwindet. Andernorts kann sie sich jedoch dauerhaft etablieren und beständige Vorkommen bilden. Voraussetzung dafür ist, dass die Lebensräume ausreichend gross sind und ihr offener Charakter erhalten bleibt.
Lebensraum
Für die Larvalentwicklung ist Aiolopus thalassinus auf feuchte Böden, meist Ufer von stehenden oder fliessenden Gewässern, angewiesen. Ausgewachsene Tiere besiedeln neben den feuchten Habitaten auch trockene Lebensräume wie Ruderalfluren, Steinbrüche, Sand- oder Schotterflächen. Gemeinsam ist sowohl den feuchten als auch den trockenen Lebensräumen, dass sie ausgesprochen wärmebegünstigt sind. Ein weiterer Aspekt, den die Lebensräume gemeinsam haben, ist die niedrige oder lückige Vegetation. In wüchsigen Feuchtgebieten werden lediglich Bereiche mit niedriger Vegetation angenommen. Im Tessin lebt Aiolopus thalassinus in Fettwiesen und in Stoppelfeldern von abgeerntetem Getreide.
Gefährdung & Schutz
Während Aiolopus thalassinus in Europa aufgrund ihres grossen Verbreitungsgebiets und ihrer Häufigkeit als nicht gefährdet gilt, wird die Art in der Schweiz und Österreich als stark gefährdet eingestuft. Besonders die Larvenhabitate stehen durch Infrastrukturbauten, Gewässerverbauungen, hydrologische Eingriffe, intensive Bodenbearbeitung und zunehmende Freizeitaktivitäten unter erheblichem Druck. Zu den wichtigsten Schutzmassnahmen gehören die Erhaltung und Förderung feuchter Wiesen, Weiden sowie natürlicher Uferbereiche. Eine regelmässige Mahd oder Beweidung ist dabei entscheidend, um die Lebensräume offen zu halten. Stellenweise sollte die Grasnarbe zudem mechanisch aufgerissen werden, um ausreichend vegetationsfreie Flächen für die Eiablage zu schaffen. Ideal sind sanfte Geländemulden, die im Frühjahr als Flutmulden nass bis feucht sind und im Sommer einen dauerhaft feuchten Untergrund bieten. Trotz der lokalen Gefährdung konnte sich die Art nördlich der Alpen in den letzten Jahren an verschiedenen neuen Standorten etablieren; in wärmebegünstigten Regionen ist derzeit sogar eine Ausbreitungstendenz zu beobachten.
Rote Listen
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CH:EN (Stark gefährdet)
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DE:V (Vorwarnliste)
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AT:EN (Stark gefährdet)
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Europa:LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Aiolopus strepens ist Aiolopus thalassinus sehr ähnlich, wirkt jedoch deutlich robuster und kräftiger im Erscheinungsbild. Zudem sind die Farben, insbesondere die Grüntöne, bei Aiolopus strepens matter als bei Aiolopus thalassinus. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal sind die Hinterschenkel: Sie sind bei Aiolopus strepens breiter und nur etwa 3- bis 3,5-mal so lang wie breit (im Gegensatz zu 4- bis 4,5-mal bei Aiolopus thalassinus). Schwieriger kann die Abgrenzung zu Arten der Gattung Epacromius (beispielsweise Epacromius tergestinus) sein. Ein entscheidendes Merkmal liefert die Form der Scheitelgrübchen: Diese sind bei der Gattung Epacromius länglich-dreieckig geformt, während sie bei der Gattung Aiolopus rechteckig sind. Zudem fehlen den Epacromius-Arten die für Aiolopus-Arten typischen hellen Querbänder auf den Vorderflügeln. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sind die Hinterschienen (Tibien), die bei Epacromius-Arten gegen die Füsse hin meist bläulich und nur selten gelblich gefärbt sind. Auf den ersten Blick kann Aiolopus thalassinus zudem mit Arten der Gattung Acrotylus verwechselt werden. Diese lassen sich jedoch leicht an ihrer starken Behaarung und dem Halsschild erkennen, der hinter dem Kopf deutlich eingeschnürt ist.



























