(Thunberg, 1815)

  • DE: Brauner Grashüpfer
  • EN: Field Grasshopper
  • FR: Le Criquet duettiste
  • IT: Cortippo bruno
  • Syn.: Gryllus bicolor Charpentier, 1825 | Stenobothrus biguttulus bicolor Obenberger, 1926 | Locusta biguttula Stephens, 1835 | Stenobothrus bicolor variety brunneri Werner, 1902 | Locusta rhomboida Stephens, 1835 | Locusta varipes Stephens, 1835 | Locusta venusa Stephens, 1835 | Locusta vittata Stephens, 1835

Morphologie

Chorthippus brunneus ist ein Vertreter der Chorthippus biguttulus-Gruppe. Die Grundfarbe von Chorthippus brunneus ist meist wenig kontrastreich braun oder graubraun, sehr selten sind auch Grünanteile vorhanden. Die Oberseite des Hinterleibsendes ist beim Männchen häufig orangerot, beim Weibchen eher gelbbraun gefärbt. Die schlanke Gestalt von Chorthippus brunneus wird durch die langen Flügel und den spitzen Kopfgipfel verstärkt. Die Flügel sind braun und reichen weit über die Hinterknie hinaus (ca. 3-5 mm). Auch jene des Weibchens überragen die Hinterknie immer deutlich. Sie sind beim Männchen rund 5x und beim Weibchen rund 6x so lang wie breit. Das Subcostalfeld ist beim Männchen nicht erweitert und der Flügel verschmälert sich von der breitesten Stelle ohne Beule am Flügelunterrand in das Ende. Das letzte Drittel des Flügels ist fast parallelseitig. Das Medialfeld ist mit dunklen Flecken unregelmässig gezeichnet. Die Halsschild-Seitenkiele sind deutlich einwärts gebogen. Die Hintertibien sind gelblich bis rot.

♂ 13-18 mm | ♀ 17-25 mm

Gesang

Chorthippus brunneus erzeugt eine Serie von 6-10 kurzen, mittellauten Versen, die 110-220 ms dauern. Die ersten beiden Verse sind oft etwas leiser und kürzer als die folgenden. Die Intervalle variieren zwischen 0,3 und 4,5 s. Südlich der Alpen äussert Chorthippus brunneus etwas längere Verse. Tiere im Tessin werden deshalb auch als „Ticino-brunneus“ bezeichnet. Benachbarte Männchen treten oft in einen Rivalen- oder Wechselgesang, bei dem das eine Männchen genau in den Pausen des anderen singt. Bei diesem Gesang sind die Verse kürzer und folgen sich schneller als beim Spontangesang. Häufig singen mehrere Männchen im Chor. Bei der Werbung äussern die Männchen ähnliche, etwas längere, weichere Verse.

Chorthippus brunneus

Spontangesang von Chorthippus brunneus, vollständige Serie aus 6 Versen - CH, TI, Arzo, 20 °C, dunstig.

Chorthippus brunneus

Spontangesang von Chorthippus brunneus - CH, TI, Arzo, 24 °C, sonnig (Aufnahme Bruno Keist).

Chorthippus brunneus

Antwortgesang von zwei ♂♂ von Chorthippus brunneus - AT, Burgenland, Breitenbrunn, 28 °C, sonnig.

Chorthippus brunneus

Einzelner Vers vom Spontangesang von Chorthippus brunneus - CH, TI, Arzo, 20 °C, dunstig.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Chorthippus brunneus reicht vom nördlichen Spanien bis in den Norden Skandinaviens. Lediglich die nördlichsten Gebiete und Gebirge Skandinaviens sind nicht besiedelt. Östlich reicht das Areal bis weit in den asiatischen Raum. Südöstlich reicht es bis Slowenien und Istrien, wo Chorthippus brunneus durch den sehr ähnlichen südöstlichen Vertreter Chorthippus bornhalmi abgelöst wird. In der Schweiz sowie in Deutschland findet man Chorthippus brunneus in allen Landesteilen bis in Höhen von 2500 m. Im zentralen Mittelland und in den Voralpen der Schweiz ist die Art seltener.

This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.

Phänologie & Lebensweise

Chorthippus brunneus gehört zu den ersten Kurzfühlerschrecken, die man im Frühjahr singen hören kann. Ausgewachsene Tiere findet man von Ende April bis in den Oktober.
Vermutlich gibt es in warmen Gegenden 2-3 Generationen pro Jahr. Die Eier werden in trockenen, vegetationslosen Boden abgelegt. Die Larven schlüpfen je nach Ort sofort oder erst im Folgejahr. Bekannt ist aber auch ein mehrjähriges überdauern der Eier. Die Larven durchlaufen 4-5 Stadien.

Lebensraum

Chorthippus brunneus besiedelt ein breites Spektrum an trockenen und warmen Lebensräumen, die einen hohen Anteil offenen Bodens aufweisen. Daher findet man Chorthippus brunneus sowohl in mageren Wiesen und Weiden als auch in Kiesgruben, Ruderalflächen, entlang von Hecken und Waldrändern, auf Schlagfluren oder in Dünengebieten. Herrscht eine geschlossene Vegetationsdecke vor, fehlt Chorthippus brunneus.

Gefährdung & Schutz

Chorthippus brunneus ist nicht gefährdet.

  • CH: LC (Nicht gefährdet)
  • DE: * (Nicht gefährdet)
  • AT: LC (Nicht gefährdet)
  • Europa: LC (Nicht gefährdet)

Ähnliche Arten

Die Arten der Chorthippus biguttulus-Gruppe sind morphologisch nicht einfach zu bestimmen. Die ausführliche Differentialdiagnose ist bei Chorthippus biguttulus abgehandelt. Chorthippus brunneus grenzt sich relativ einfach durch die schlanke Gestalt und die sehr langen, schmalen Flügel von den anderen ähnlichen Arten ab. Das beste Unterscheidungsmerkmal ist der Gesang. Der Gesang von Chorthippus brunneus kann mit den Spontangesängen von Chorthippus albomarginatus, Euchorthippus declivus und Euthystira brachyptera verwechselt werden. Wenn Chorthippus albomarginatus bei hohen Temperaturen relativ kurze Verse erzeugt, sind sie jenen von Chorthippus brunneus sehr ähnlich. Euchorthippus declivus und Euthystira brachyptera äussern etwas längere Verse von 0,2-0,3 s Dauer, die fein und hell klingen.

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