(Charpentier, 1825)

  • DE: Verkannter Grashüpfer
  • EN: Lesser Grasshopper
  • FR: Le Criquet des larris | Le Criquet des jachères
  • Syn.: Chorthippus salfii La Greca, 1948

Morphologie

Chorthippus mollis mollis ist ein Vertreter der Chorthippus biguttulus-Gruppe. Er ist farblich sehr variabel. In der Regel herrschen Grau- und Brauntöne vor. Grüne Individuen sind selten. Das Hinterleibsende ist meist körperfarben bis orange, kann aber auch intensiv orange gefärbt sein. Die Halsschild-Seitenkiele sind mässig bis gut winklig eingebogen und meist dunkel gesäumt. Die schmalen Flügel erreichen bei beiden Geschlechtern die Hinterknie oder ragen leicht darüber hinaus. Bei den Männchen ist das Costalfeld leicht erweitert, wodurch sich der Flügel im letzten Drittel nur leicht verschmälert. Das Subcostalfeld ist ebenfalls nur wenig erweitert. Grundsätzlich nimmt Chorthippus mollis mollis eine Zwischenstellung zwischen Chorthippus biguttulus und Chorthippus brunneus ein.

♂ 13-17 mm | ♀ 17-22 mm

Gesang

Der markante Spontangesang von Chorthippus mollis besteht aus einer langen, mässig lauten Strophe, die zögerlich leise beginnt und bis zum Ende lauter wird. Charakteristisch ist ein lautes „tick“ zu Beginn eines jeden Verses. Im Verlauf der Strophe werden die Verse etwas länger. Die Strophen von Chorthippus mollis mollis sind durchschnittlich etwas länger als bei Chorthippus mollis ignifer und laufen mit einigen leiseren Versen aus, denen die typischen, einleitenden „tick“-Laute fehlen.

Chorthippus mollis mollis

Spontangesang von Chorthippus mollis mollis - DE, Bayern, Gungolding, 23 °C, sonnig.

Chorthippus mollis mollis

Spontangesang von Chorthippus mollis mollis - DE, Bayern, Gungolding, 23 °C, sonnig.

Chorthippus mollis mollis

Ausschnitt aus dem Spontangesang von Chorthippus mollis mollis, 9 Verse - DE, Bayern, Gungolding, 23 °C, sonnig.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Chorthippus mollis mollis erstreckt sich von den spanischen Pyrenäen über Frankreich bis nach Dänemark, wo die nördliche Verbreitungsgrenze erreicht wird. Chorthippus mollis mollis fehlt in Norwegen, Schweden und Finnland. Östlich reicht das Areal bis in die Mongolei, wobei allerdings die Art- bzw. Unterartzugehörigkeiten nicht geklärt sind. In Südosteuropa erreicht das Verbreitungsgebiet der Nominatform Chorthippus mollis mollis Griechenland und die Türkei. In der Schweiz tritt Chorthippus mollis mollis verstreut nördlich der Alpen auf. Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich entlang des Juras, wobei im Mittelland nur vereinzelte Vorkommen bekannt sind. Südlich der Alpen wird Chorthippus mollis mollis durch die Unterart Chorthippus mollis ignifer ersetzt. Chorthippus mollis mollis ist aus ganz Deutschland bekannt.

Die Karte zeigt das Verbreitungsgebiet von Chorthippus mollis ohne Unterscheidung der Unterarten, da diese in den meisten Fällen bei der Datenerhebung nicht differenziert wurden. Zu beachten ist der Text zur Verbreitung.

This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.

Phänologie & Lebensweise

Chorthippus mollis mollis ist eine späte Art und tritt ab Mitte Juli bis in den November als Imago auf. In milden Wintern kann die Art an wärmebegünstigten Stellen auch bis in den Dezember oder Januar beobachtet werden.
Die Eiablage erfolgt, verglichen mit anderen Arten der Chorthipus biguttlus-Gruppe, relativ tief in den Boden (bis 30 mm). Im folgenden Jahr schlüpfen die Larven zwischen Mai und Ende Juni, was dem spätesten Schlupfzeitpunkt innerhalb der Chorthippus biguttulus-Gruppe entspricht. Danach durchlaufen die Larven 5-6 Stadien.

Lebensraum

Chorthippus mollis mollis bevorzugt südexponierte, ausgesprochen trockene und wärmebegünstigte Habitate. Dazu zählen Felsensteppen, magere und trockene Wiesen und Weiden, Böschungen, Heidegebiete, Kiesgruben oder andere Ruderalfluren. Selten kommt die Art auch in Wiesen mit dichter Vegetation vor. In Mitteleuropa werden hin und wieder auch feuchtere Wiesen und Weiden besiedelt.

Gefährdung & Schutz

Obwohl Chorthippus mollis (die Unterarten wurden in der Schweiz nicht unterschieden) lediglich als potenziell gefährdet eingestuft wird, kann die Art nördlich der Alpen für den Naturschutz von Bedeutung sein, da sie wertvolle, trockene und magere Wärmestandorte besiedelt. Wichtig für die Art ist eine geringe Beschattung durch Gebüsche, keine verfilzte Vegetation, ein hoher Anteil an offenen, vegetationslosen Stellen und keine Eutrophierung. Regelmässiges Entbuschen und Mähen (ca. 1x pro Jahr) erhalten den Lebensraum. Ein später Schnittzeitpunkt ist für Chorthippus mollis wichtig, da die Larvalphase erst im Juli/August abgeschlossen wird. Je nach Vegetationsentwicklung des Standorts ist eine Mahd auch jedes zweite Jahr ausreichend. Eine Beweidung mit Schafen oder Rindern ist für die Schaffung der nötigen vegetationslosen Stellen sehr förderlich. Je nach Wüchsigkeit der Standorte empfiehlt es sich, die Beweidung nur alle 2-4 Jahre durchzuführen.

  • CH: NT (Potenziell gefährdet)
  • DE: V (Vorwarnliste)
  • AT: NT (Potenziell gefährdet)
  • Europa: LC (Nicht gefährdet)

Ähnliche Arten

Chorthippus mollis gleicht den anderen Arten der Chorthippus biguttulus-Gruppe. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist der markante Gesang. Die beiden Unterarten von Chorthippus mollis unterscheiden sich anhand der Verbreitung und der Färbung der Hinterleibsspitze bzw. der Hinterschienen, die bei Chorthippus mollis ignifer intensiver orange oder rot sind. Die Variabilität dieses Merkmals ist allerdings gross. Das Männchen von Chorthippus biguttulus hat breitere Flügel, das Costalfeld ist deutlich stärker erweitert und das Subostalfeld ist in der Mitte am breitesten. Chorthippus brunneus hat schmalere, längere Flügel. Der Spontangesang erinnert an Myrmeleotettix maculatus, wobei diese keine "tick"-Laute zu Beginn eines Verses äussert.