Dufour, 1841

  • DE: Westliche Sattelschrecke
  • EN: Western Saddle Bush-cricket
  • FR: L' Ephippigère des vignes
  • Syn.: Ephippigera ephippigera moguntiaca Schuster, 1906 | Ephippigera biterrensis Marquet, 1877 | Ephippigera crucigera Fieber, 1853 | Ephippigera crucigera eustratia Fruhstorfer, 1921 | Ephippiiger montigena Azam, 1913 | Ephippiger moralesagacinoi Harz, 1966 | Ephippigera vitium variety silvicola Azam, 1901

Morphologie

Die Grundfarbe von Ephippiger diurnus ist grün, braun bis annähernd schwarz. Vom unteren Halsschildrand verläuft eine gelbliche Linie bis zum Hinterleibsende. Sie trennt die Rückensegmente vom hellen Bauchbereich. Die Rückensegmente sind am Hinterrand oft hell gesäumt. Je dunkler die Grundfarbe desto grösser ist der Farbunterschied. Der Hinterkopf ist schwarz. Der Halsschild ist gattungstypisch und in der hinteren Hälfte sattelförmig aufgeworfen. Der Hinterrand ist meist heller gelblich oder bräunlich. Bei den Weibchen ragen die runden Flügel nur knapp unter dem Halsschild hervor, bei den Männchen etwas mehr. Sie sind auf der Oberseite bei beiden Geschlechtern bräunlich, hinten gelb gefärbt und oft dunkel gesäumt. Die kegelförmigen Cerci der Männchen sind gelblich und tragen in der Mitte einen dunklen Innenzahn. Die weibliche Legeröhre ist etwas länger als der Hinterschenkel, leicht aufwärts gebogen und an der Spitze gebräunt.

♂ 23-30 mm | ♀ 20-35 mm | Ovipositor 18-23 mm

Gesang

Die Gesänge der Männchen der drei Schweizer Ephippiger-Arten sind sich sehr ähnlich. Es sind regelmässige Folgen von Silben. Bei der Flügelöffnung wird ein kurzes, leises, kaum hörbares „tsi“ und beim Schliessen ein längeres, lauteres „dswi“ erzeugt. Ab und zu werden zwei oder gar drei solcher Silben zu einem Vers aneinander gereiht. Das Frequenzspektrum liegt im Bereich von 10-45 kHz. Deshalb sind die drei Arten mit und ohne US-Detektor auf 50 m zu vernehmen. Die Tiere singen bevorzugt in den Morgenstunden (9-13 Uhr), nachdem die Sonne die Umgebung genügend aufgewärmt hat. In den französischen Alpen, wo Ephippiger diurnus eine der auffälligsten und häufigsten Langfühlerschrecken ist, hört man sie rund um die Uhr, sogar noch im Morgengrauen, was für eine wärmeliebende Art erstaunlich ist. Das Frequenzspektrum zeigt ein Maximum bei ca. 15-25 kHz. Die Männchen von Ephippiger diurnus und Ephippiger persicarius kommunizieren zusätzlich zum Gesang, indem sie ihren Körper und somit die Unterlage in Vibrationen versetzen. Im Gegensatz dazu wurde dies bei Ephippiger terrestris bormansi noch nie beobachtet.

Ephippiger diurnus

Spontangesang von Ephippiger diurnus. Sie erzeugt im Gegensatz zu Ephippiger persicarius einsilbige Reihen - FR, Hautes-Alpes, Mt. Colombis südöstlich von Gap, 20 °C, sonnig.

Ephippiger diurnus

Spontangesang von Ephippiger diurnus - FR, Hautes-Alpes, Mt. Colombis südöstlich von Gap, 20 °C, sonnig.

Ephippiger diurnus

Einzelne Silbe aus dem Spontangesang von Ephippiger diurnus - FR, Hautes-Alpes, Mt. Colombis südöstlich von Gap, 20 °C, sonnig.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Ephippiger diurnus reicht von Nordspanien im Süden bis in die Niederlande im Norden. Im Osten reicht es bis an die französisch-italienische Grenze. Auf der italienischen Seite wurde die Art bisher aber noch nicht nachgewiesen. Das Hauptverbreitungsgebiet von Ephippiger diurnus liegt in Frankreich. In der Schweiz kommt Ephippiger diurnus nur lokal entlang des Jurasüdfusses und im unteren Rhonetal vor. In Deutschland befindet sich ein grösseres Vorkommen westlich des Rheintals zwischen Karlsruhe und Mainz. In Mitteleuropa ist die Art meist in tiefen Lagen anzutreffen und steigt nur selten bis in Höhen von 1000 m. In Südeuropa kann sie hingegen bis 2000 m beobachtet werden.

This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.

Phänologie & Lebensweise

Wie alle Ephippiger-Arten ist auch Ephippiger diurnus eine eher späte Art, die man von Juli bis Oktober beobachten kann.
Die Eier werden in den Boden oder in Moospolster abgelegt und durchlaufen eine mehrjährige Embryonalentwicklung. Im Mai schlüpfen die Larven und durchlaufen 5-6 Stadien. Bei den Arten der Gattung Ephippiger können beide Geschlechter stridulieren. Von manchen Arten weiss man, dass paarungswillige Weibchen den Männchen antworten. Von den meisten anderen vermutet man, dass der Gesangsapparat nur noch dem Abwehrverhalten dient. Wenn man eine Ephippiger unsanft anfasst, werden auch von den Weibchen solche Abwehrlaute erzeugt.

Lebensraum

Ephippiger diurnus ist ausgesprochen wärme- und trockenheitsliebend. Besiedelt werden trockene Wiesen und Brachen, die mit Gebüschstrukturen durchsetzt sind. Ebenso findet man sie in felsigen Habitaten, an Waldrändern oder verbuschenden Bachsäumen sowie in Rebbergen. Die Art hält sich meist auf niederen Büschen oder höheren Stauden auf, die sie als Singwarten nutzt.

Gefährdung & Schutz

Aufgrund der zerstreuten und eher individuenarmen Populationen in der Schweiz und Deutschland gilt die Art als stark gefährdet. Zur Förderung kann durch eine periodische Entbuschung die nötige, hohe Strukturvielfalt erhalten werden. Obwohl sich Ephippiger diurnus meist in Gebüschen aufhält, ist sie auf eine lockere Grasnarbe mit einem hohen Anteil vegetationsloser Stellen für die Eiablage angewiesen. In grösseren Gebieten ist die Beweidung eine gute Option, um die erforderliche Vielfalt zu erhalten oder zu fördern. Besonders in Südeuropa trifft man die Art häufig auf beweideten Flächen an. Randstrukturen in Rebbaugebieten stellen für Ephippiger diurnus geeignete Habitate dar.

  • CH: EN (Stark gefährdet)
  • DE: 2 (Stark gefährdet)
  • AT: Abwesend
  • Europa: LC (Nicht gefährdet)

Ähnliche Arten

Die drei Ephippiger-Arten, die in Mitteleuropa vorkommen, sind sich sowohl morphologisch als auch im Gesang sehr ähnlich. Ephippiger terrestris bormansi und Ephippiger persicarius unterscheiden sich von Ephippiger diurnus durch das Verbreitungsgebiet. Beide Arten kommen in der Schweiz nur im Tessin und in den Südtälern der Alpen vor. Ephippiger terrestris bormansi ist meist gelblich-grau mit zwei hellen Linien auf dem Rücken. Die Cerci des Männchens sind länger, zylindrisch und im letzten Viertel gezähnt. Die Legeröhre des Weibchens ist schlanker und länger. Die Unterscheidung von Ephippiger persicarius ist anhand von morphologischen Merkmalen schwierig, die männlichen Genitalien helfen bei der Unterscheidung. Ephippiger persicarius ist nie so dunkel gefärbt und der helle Saum der Rückensegmente fehlt. Die Cerci der Männchen sind zudem meist im hinteren Drittel gezähnt, und der Cercus ist insgesamt untersetzter. Ephippiger persicarius erzeugt im Gegensatz zu Ephippiger diurnus in der Schweiz immer zweisilbige Verse.