Brunner von Wattenwyl, 1878

  • DE: Gemeine Plumpschrecke | Krauss'sche Plumpschrecke
  • EN: Krauss's Bush-cricket
  • FR: Le Barbitiste souabe
  • Syn.: No synonym!

Morphologie

Die Grundfarbe von Isophya kraussii ist grün mit unterschiedlich stark ausgeprägter, dunkler Punktierung. Die Fühler sind gelb bis bräunlich. Hinter den Augen verläuft eine helle Linie über den Halsschild und den unteren Flügelrand. Die helle Linie ist auf der Halsschild-Oberseite rötlich bis bräunlich gesäumt. Der hintere Halsschildrand ist bei den Männchen leicht erhöht. Die kurzen, lappenförmigen Flügel sind beim Männchen etwas kürzer als der Halsschild, beim Weibchen schauen sie nur knapp darunter hervor und sind hinten gerade abgeschnitten. Die männlichen Cerci sind an der Basis gerade und gegen das gelblich bis bräunlich Ende leicht verjüngt und stark nach innen gebogen. An der Spitze sitzt ein feiner, dunkler Endzahn. Die Legeröhre der Weibchen ist auch auf der Unterseite regelmässig gebogen, was die Gattung Isophya von der Gattung Barbitistes und Poecilimon unterscheidet. An der Spitze ist sie deutlich gesägt.

♂ 19-22 mm | ♀ 19-25 mm | Ovipositor 8-13 mm

Gesang

Der leise Spontangesang von Isophya kraussii besteht aus einer Folge von schnell und regelmässig aneinander gereihten Silben. Das Geräusch wird ausschliesslich bei der Flügelschliessung erzeugt. Auf eine längere, kontinuierliche Bewegung, bei der ein „ssss“-Laut entsteht, folgt ein kurzer Endteil, bei dem die Vorderflügel mit einem „z“ vollständig geschlossen werden. Diese Silbenreihen werden in den Abendstunden und in der Nacht minutenlang vorgetragen. Das Frequenzspektrum liegt fast ausschliesslich im Ultraschallbereich und zeigt ein breites Maximum bei 20-40 kHz. Deshalb ist das Geräusch für unser Ohr kaum wahrnehmbar und gehört zusammen mit den Gesängen der Leptophyes-Arten zu den leisesten Lautäusserungen. Im US-Detektor hingegen ist der Gesang auch neben laut stridulierenden Arten wie Tettigonia viridissima auf eine Distanz von 20 m eindeutig erkennbar.

Isophya kraussii

Spontangesang von Isophya kraussii (Achtung: Der Gesang ist natürlicherweise sehr leise und hochfrequent) - DE, Bayern, Solnhofen, 18 °C, nachts.

Isophya kraussii

Spontangesang von Isophya kraussii - DE, Bayern, Solnhofen, 18 °C, nachts.

Isophya kraussii

Einzelne Silbe aus dem Spontangesang von Isophya kraussii - DE, Bayern, Solnhofen, 18 °C, nachts.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Isophya kraussii liegt in Zentraleuropa. Die Art kommt von Deutschland über Tschechien und Österreich bis in den Norden von Kroatien vor. Das Areal erstreckt sich ostwärts bis in die nördlichen Karpaten in Rumänien. In Deutschland kommt die Art hauptsächlich nördlich der Donau in den Mittelgebirgen Schwäbische Alb und Fränkische Alb vor. In der Schweiz konnte Isophya kraussii bisher nicht nachgewiesen werden. In Österreich ist sie ausschliesslich im Osten nachgewiesen, mit Schwerpunkten im südlichen Waldviertel, im Weinviertel (beides Niederösterreich), im Leithagebirge (Nordburgenland) und im Südburgenland.

This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.

Phänologie & Lebensweise

Isophya kraussii gehört zu den frühesten Heuschrecken-Arten. Ausgewachsene Tiere können bereits Ende Mai beobachtet werden.
Im August nimmt die Individuenzahl stark ab und im September können noch vereninzelt Tiere gefunden werden. Die Eier werden in den Boden abgelegt. Die Larven schlüpfen erst nach zweimaligem Überwintern und durchlaufen 5 Stadien. Isophya kraussii ist dämmerungs- und nachtaktiv. Sie hält sich tagsüber versteckt in der Vegetation auf, ist gut getarnt und äusserst schwierig zu finden. Sie besiedelt hauptsächlich die Gras- und Krautschicht und wird eher selten auf Sträuchern gefunden.

Lebensraum

Isophya kraussii besiedelt offenes Grasland. Es werden vorwiegend hochwüchsige Trocken- und Magerrasen besiedelt. Zu ihrem Lebensraum gehören aber auch feuchte und wüchsige Wiesen, Böschungen und Säume entlang von Waldrändern, Hecken und Strassen. An manchen Stellen werden schattige, krautige Waldlichtungen besiedelt.

Gefährdung & Schutz

Aufgrund ihrer Lebensraumansprüche profitiert Isophya kraussii von einer extensiven Grünlandbewirtschaftung. So kann sie von einer ein- bis zweischürigen, späten Mahd profitieren. Am besten ist eine zeitversetzte Teilmahd, so dass immer ungemähte, hochwüchsige Bereiche als Ersatzstrukturen zur Verfügung stehen. Mit einem naturnahen, abgestuften Waldrand mit strukturreichen Gebüschen und Krautsäumen kann Isophya kraussii ebenfalls gefördert werden.

  • CH: Abwesend
  • DE: V (Vorwarnliste)
  • AT: DD (Ungenügende Datengrundlage)
  • Europa: LC (Nicht gefährdet)

Ähnliche Arten

Isophya kraussii ist den anderen Isophya-Arten sehr ähnlich. Anhand der Verbreitung können die möglichen Arten meist deutlich eingeschränkt werden. Im Zweifelsfall ist der Gesang das sicherste Unterscheidungsmerkmal. Besonders die Larven von Polysarcus denticauda sind sehr ähnlich und kommen oft in demselben Lebensraum vor. Beide Geschlechter von Polysarcus denticauda sind deutlich grösser als diejenigen von Isophya kraussii. Die Männchen von Polysarcus denticauda sind meist graugrün in der Grundfarbe, der Halsschild ist leicht sattelförmig und die Flügel sind gelb. Die Subgenitalplatte ist stark verlängert und ragt zwischen den Cerci deutlich nach oben. Das Weibchen unterscheidet sich durch die auf der Unterseite gerade Legeröhre. Isophya kraussii wird oft mit den Barbitistes-Arten verwechselt. Diese sind etwas kleiner und meist bunter gefärbt mit rotbraunen Tönen an den Extremitäten. Deutlich unterschiedlich sind die männlichen Cerci, die bei den Barbitistes-Arten s-förmig geschwungen sind. Die Weibchen unterscheiden sich an der Form der Legeröhre, die bei den Barbitistes-Arten am Unterrand gerade ist. Die Gesänge der tagaktiven Singzikaden Cicadetta cerdaniensis und Cicadetta cantilatrix (beide Cicadidae) können im US-Detektor mit dem Gesang von Isophya kraussii verwechselt werden. Allerdings wird Isophya kraussii erst mit der Abenddämmerung aktiv und die Silben werden deutlich schneller und immer im gleichen Rhythmus wiederholt.