(Panzer, 1799)

  • DE: Gewöhnliche Ameisengrille
  • EN: Common Ant-cricket
  • FR: Le Fourmigril commun | Le Myrmécophile social
  • Syn.: No synonym!

Morphologie

Myrmecophilus acervorum zählt mit ca. 4 mm Körpergrösse zu den kleinsten Heuschrecken Europas. Der dunkle, rostbraune Körper ist von oben betrachtet elliptisch und von der Seite leicht abgeflacht. Auffallend sind die kurzen, kräftigen Fühler und zwei deutlich hellere Querbinden auf dem Halsschild und dem mittleren Brustsegment. Das dritte Brustsegment und die Rückensegmente sind am Hinterrand nur schmal hell gesäumt. Die Färbung ist für die Art charakteristisch und es ist kaum eine farbliche Variabilität bekannt. Typisch sind auch die beiden nach oben gerichteten Cerci und die stark verdickten Hinterschenkel. Bisher sind ausschliesslich weibliche Individuen bekannt, die sich anhand der kurzen Legeröhre zwischen den Cerci erkennen lassen. Der Halsschild und die Rückensegmente sind locker aber regelmässig mit kurzen, glänzenden Haaren bedeckt.

♀ 2-4 mm | Ovipositor 1-2 mm

Gesang

Myrmecophilus acervorum besitzt weder Stridulations- noch Gehörorgane. Es sind keinerlei Gesänge oder Geräusche bekannt.

Verbreitung

Die Kenntnisse über die Verbreitung von Myrmecophilus acervorum sind nach wie vor mangelhaft. Das Hauptverbreitungsgebiet dürfte sich von Deutschland über Polen, die Slowakei, Österreich und Tschechien Richtung Osten erstrecken. Es sind Funde aus Armenien bekannt. In der Schweiz wurde die Art bisher nicht nachgewiesen. In Deutschland entfällt ein Grossteil der Beobachtungen auf Ostdeutschland südlich von Berlin, auf Baden-Württemberg und Bayern. Die genaue Verbreitung in Süd- und Südosteuropa ist unbekannt, da es sich dort sehr wahrscheinlich um andere Arten handelt. Schon in Südfrankreich gibt es mit Myrmecophilus myrmecophilus und Myrmecophilus aequispina zwei ähnliche Arten, von denen Weibchen und Männchen vorkommen.

This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.

Phänologie & Lebensweise

Es können während des ganzen Jahres sowohl Larven als auch ausgewachsene Tiere gesichtet werden.
Myrmecophilus acervorum lebt parasitisch in Ameisennestern. Die Art scheint keine besondere Präferenz für eine bestimmte Wirtsameise zu haben und wurde bei über 20 verschiedenen Ameisenarten beobachtet. Zudem können die einzelnen Individuen im Verlauf der Entwicklung zwischen verschiedenen Kolonien und Ameisenarten wechseln. Um von den Ameisen nicht angegriffen und getötet zu werden, findet bei einer Kolonisierung eine chemische Tarnung statt. Um einen neuen Ameisenbau zu besiedeln, sucht Myrmecophilus acervorum immer wieder den Kontakt zu den Arbeiterinnen, um dabei in Berührung mit dem spezifischen Ameisengeruch zu kommen. Sie kann den Geruch synthetisieren und wird nach ca. einer Woche nicht mehr als Feind erkannt und von den Wirtsameisen akzeptiert. Myrmecophilus acervorum gehört zu den wenigen Heuschrecken-Arten, die sich ausschliesslich parthenogenetisch, also ohne Männchen, fortpflanzen. Die unbefruchteten Eier werden im Wirtsnest zwischen März und Oktober abgelegt. Die Entwicklungsdauer zum ausgewachsenen Tier beträgt rund zwei Jahre. Sie ernährt sich im Ameisenbau vermutlich von Ameiseneiern, wurde aber auch schon dabei beobachtet, wie sie von den Ameisen gefüttert wurde.

Lebensraum

Myrmecophilus acervorum lebt in Mikrolebensraum Ameisennest. Zum grossen Spektrum an Lebensräumen, in denen Myrmecophilus acervorum gefunden wurde, zählen lichte Wälder, Trockenrasen, Heiden, magere Weiden, Felsensteppen, Steinbrüche und Kiesgruben. Selbst in Gärten und im Siedlungsgebiet kann sie angetroffen werden. Gemeinsam ist den Lebensräumen, dass sie trocken und wärmebegünstigt sind. Nur selten wurden Tiere ausserhalb von Ameisennestern entdeckt, z.B. wenn sie in einer Ameisenstrasse mitlaufen. Bei optimalen Umgebungstemperaturen halten sich Myrmecophilus acervorum und die Wirtsameisen gerne unter flachen Steinen auf und profitieren von der gespeicherten Wärme. Bei höheren Temperaturen verziehen sie sich ins Inneren des Ameisennests. Des Weiteren wurden Tiere unter der Rinde morscher Bäume sowie in morschem Totholz gefunden.

Gefährdung & Schutz

Aufgrund der verhältnismässig geringen Anzahl an Beobachtungen ist eine Gefährdungsbeurteilung von Myrmecophilus acervorum nur schwer möglich. Es ist zu vermuten, dass die Art wesentlich häufiger ist, als es die wenigen Beobachtungen vermuten lassen. Da sowohl sehr unterschiedliche Lebensräume besiedelt werden als auch verschiedene Ameisenarten als Wirte dienen, sind Fördermassnahmen kaum zu formulieren. Empfehlenswert ist das Entfernen von Bäumen und Sträuchern zur Schaffung von lichten Wäldstücken und das Liegenlassen von Totholz für Ameisenarten, die in solchen Substraten ihre Nester bauen.

  • CH: Abwesend
  • DE: D (Ungenügende Datengrundlage)
  • AT: DD (Ungenügende Datengrundlage)
  • Europa: LC (Nicht gefährdet)

Ähnliche Arten

Aufgrund der Grösse, Körperform und Färbung ist Myrmecophilus acervorum in Mitteleuropa kaum mit einer anderen Heuschreckenart zu verwechseln. Die grösste Verwechslungsgefahr besteht bei flüchtiger Betrachtung mit ähnlich gefärbten Larven von Schaben.
Im Mittelmeerraum ist bei der Bestimmung Vorsicht geboten, da weitere Arten der Gattung Myrmecophilus vorkommen, die aufgrund fehlender Bestimmungsliteratur nur schwer zu unterscheiden sind. Zudem bestehen in Südeuropa taxonomische Unklarheiten und es werden laufend neue Arten beschrieben.