(Charpentier, 1825)

  • DE: Braunfleckige Beissschrecke
  • EN: Common Slender Bush-cricket | Brown-spotted Bush-cricket
  • FR: La Decticelle carroyée
  • Syn.: Platycleis holoptera emrahi Koçak, 1984

Morphologie

Tessellana tessellata gehört zu den kleinsten und zierlichsten Beissschrecken in Mitteleuropa. Die Grundfarbe ist hellbraun bis graubraun mit kontrastreichen dunklen Zeichnungen. Über dem Auge verläuft eine schmale, helle Linie bis zum Halsschild, die beidseitig schwarz gesäumt ist. Die Halsschild-Seitenlappen sind unterschiedlich dunkel gefärbt und weisen einen breiten, hellen Saum auf. Auf beiden Seiten der Hinterschenkel befindet sich eine dunkle Längszeichnung. Die schmalen Flügel erreichen bei beiden Geschlechtern ungefähr das Hinterleibsende oder überragen dieses leicht. Sie verfügen über 5-7 scharf begrenzte, schwarze Flecken, die durch helle Adern getrennt sind. Selten kommen langflügelige Individuen vor, deren Flügel die Hinterknie deutlich überragen. Die schwarze Legeröhre ist kurz und an der Basis kräftig nach oben gebogen. Die schlanken Cerci der Männchen sind vor dem letzten Drittel gezähnt.

♂ 13-16 mm | ♀ 15-17 mm | Ovipositor 4-5 mm

Gesang

Der leise, bis max. 10 m weit hörbare Spontangesang von Tessellana tessellata ist aus regelmässig geäusserten Silben aufgebaut. Das Frequenzspektrum liegt im Bereich von 20-50 kHz und zeigt ein breites Maximum bei 30-40 kHz. Die kratzenden, im US-Detektor hart schlagenden Silben, werden in lockeren, unregelmässigen Gruppen oder auch in sehr langen, regelmässigen Reihen vortragen. Bei hohen Temperaturen werden 6-8 (-11) Silben pro s geäussert. Die einzelnen Silben bleiben auch dann noch klar voneinander getrennt. Eine Gesangsperiode beginnt oft, wie bei Platycleis albopunctata, mit einzelnen isolierten Silben. Gleichzeitig singende Männchen treten oft in einen Wechselgesang.

Tessellana tessellata

Spontangesang von Tessellana tessellata - FR, Var, Col de Bel Homme, Draguignan, 20 °C, sonnig.

Tessellana tessellata

Ausschnitt aus dem Spontangesang von Tessellana tessellata - FR, Haute-Corse, Vivario, 25 °C.

Tessellana tessellata

Ausschnitt aus dem obigen Gesangsbeispiel vom Spontangesang von Tessellana tessellata - FR, Haute-Corse, Vivario, 25 °C.

Tessellana tessellata

Fünf Silben aus dem Spontangesang von Tessellana tessellata - FR, Haute-Corse, Vivario, 25 °C.

Verbreitung

Tessellana tessellata ist in Westeuropa, von den Kanarischen Inseln über Portugal, Spanien, Frankreich, viele Mittelmeerinseln und Italien weit verbreitet und häufig. Von Nordostitalien besiedelt die Art die Dalmatinische Küste bis Montenegro. Im Osten Europas erstreckt sich ein grosses Verbreitungsareal von der Südukraine über Südrussland Richtung Osten. Aus Frankreich reicht das westliche Verbreitungsgebiet nahe in die Grenzregionen zur Schweiz und zu Deutschland. Hier ist sie am südlichen Oberrhein und vom Kaiserstuhl bekannt. In der Schweiz konnte Tessellana tessellata bei Genf festgestellt werden. Ob die Vorkommen dort noch immer aktuell sind, ist fraglich und bedarf der Überprüfung.

This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.

Phänologie & Lebensweise

Ausgewachsene Tiere von Tessellana tessellata können von Juli bis Oktober angetroffen werden.
Die Eier werden über der Bodenoberfläche in Pflanzenstängel abgelegt. Daraus schlüpfen gegen Ende April die Larven, die 6-7 Stadien durchlaufen. Die ausgewachsenen Männchen beginnen am Nachmittag zu stridulieren und singen die ganze Nacht durch. Die grösste Gesangsaktivität ist ab dem späten Nachmittag bis Mitternacht festzustellen. Tessellana tessellata ernährt sich vorwiegend vegetarisch und von kleinen Insekten.

Lebensraum

Tessellana tessellata ist wärmeliebend und besiedelt vorwiegend trockene und lückig bewachsene Standorte. Als Lebensraum dienen trockene Wiesen und Weiden mit gut entwickelter Vegetationsschicht, die aber nur in Bodennähe dicht ist. Die Grasnarbe ist von vegetationslosen Stellen durchzogen. In Südeuropa stellt Tessellana tessellata geringere Lebensraumansprüche. Hauptsächlich werden steppenartige Lebensräume mit relativ dichtem Unterwuchs besiedelt. Man findet die Art auch in etwas frischeren Wiesen. Daneben ist sie regelmässig in Ackerrändern, intensivem Weidegebiet, Steinbrüchen und anderen Pionierstandorten zu beobachten.

Gefährdung & Schutz

Tessellana tessellata ist in Westeuropa eine sehr häufige Arten und daher im Gesamtverbreitungsgebiet nicht gefährdet. Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland kommt die Art allerdings nur in einem sehr begrenzten Gebiet vor, sodass sie in beiden Ländern als vom Aussterben bedroht eingestuft wurde. Die Bewirtschaftung besiedelter Standorte in Deutschland und der Schweiz muss situativ festgelegt werden. Obwohl Tessellana tessellata in Weidegebieten die offenen Bereiche meidet, scheint eine Beweidung für die Art förderlich zu sein. Am Fundort von Tessellana tessellata bei Genf konnte bereits seit Jahren kein aktueller Nachweise mehr erbracht werden. Es wurde spekuliert, dass Tessellana tessellata bei Genf mit Heuballen in die von Pferden beweideten Flächen gelangt ist.

  • CH: CR (Vom Aussterben bedroht)
  • DE: 1 (Vom Aussterben bedroht)
  • AT: Abwesend
  • Europa: LC (Nicht gefährdet)

Ähnliche Arten

Tessellana tessellata kann mit Platycleis albopunctata und Platycleis grisea verwechselt werden. Platycleis albopunctata ist deutlich grösser und besitzt weniger kontrastreich gezeichnete Flügel. Die Weibchen von Platycleis albopunctata haben zudem eine längere und weniger stark gebogene Legeröhre. Die deutlichen, wenn auch kurzen Pausen zwischen den Silben verleihen dem Gesang von Tessellana tessellata seinen typischen Charakter und unterscheiden ihn von den Gesängen von Platycleis albopunctata, Metrioptera saussuriana und Metrioptera brachyptera. Die langen Silbenreihen von Tessellana tessellata können vor allem im US-Detektor mit dem tickenden Werbegesang von Stenobothrus lineatus verwechselt werden.