Heuschrecken im Kanton Schaffhausen

Inhalt

Vorwort

Biologie und Ökologie der Heuschrecken

Besonderheiten der Schaffhauser Heuschreckenfauna

Heuschreckenlebensräume im Kanton Schaffhausen

Wiesen und Weiden
Feuchtwiesen und Flachmoore
Wald, Waldränder und Hecken
Ruderalfluren, Brachen und Saumbiotope
Pionierstandorte
Menschliche Siedlungen

Auf Heuschreckenpirsch - Selber beobachten und bestimmen

Die Heuschrecken des Kantons Schaffhausen

Literatur

Bildnachweis

 

Das Neujahrsblatt 65/2013 "Heuschrecken im Kanton Schaffhausen" der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen kann über die Webseite oben bestellt werden.

Buchbesprechung

Wenn der Entomologe in den Kanton Schaffhausen reist, hat er in der Regel den Schaffhauser Randen im Visier. Dieser Ausläufer des Juras hat eine vielfältige Flora hervorgebracht, die wiederum einer nicht minder diversen Fauna und Insektenwelt beste Grundlagen bietet. Obwohl auch die Heustäfzger – wie die Heuschrecken im Schaffhauser Volksmund genannt werden – im kleinen Kanton mit 43 rezenten Arten viel Spannendes zu bieten haben, fanden sie bei den Entomologen lange nur am Rande Beachtung.

Seit einigen Jahren haben sich die beiden Zoologen Michael Widmer und Ulrich Pfändler dieser spannenden Insektengruppe verschrieben und können mit den „Heuschrecken im Kanton Schaffhausen“ nun ein umfassendes sowie fundiertes Faunenwerk vorlegen.

In einem einfach verständlichen und gut visualisierten ersten Teil werden die Leser in die Biologie und Ökologie der Heuschrecken eingeführt. In Kürze wird viel Allgemeinwissen mit interessanten Besonderheiten und eigenen Beobachtungen ergänzt. Für den Laien bietet die Publikation einen lehrreichen Einstieg, aber auch der Heuschreckenkenner kann Neues und Spannendes erfahren.

Im zweiten Teil kommen die Besonderheiten unter den Schaffhauser „Heustäfzger“ zur Sprache. Allen voran die Alpen-Strauchschrecke (Pholidoptera aptera), die im Schaffhauser Randen ein absolut isoliertes Vorkommen bildet. Auch die Wanstschrecke (Polysarcus denticauda) besiedelt bei Betrachtung des Schweizer Verbreitungsgebietes in Schaffhausen ein isoliertes Areal. Die Zwitscherschrecke (Tettigonia cantans), die Rotflüglige Schnarrschrecke (Psophus stridulus) und der Feld-Grashüpfer (Chorthippus apricarius) werden als weitere Besonderheiten vorgestellt.

Ein dritter und umfassender Teil des Buches beschäftigt sich mit den wichtigsten Lebensräumen der Heuschrecken im Kanton Schaffhausen. Dabei werden verschiedene typische Arten und Artengemeinschaften, von der mageren Trespenwiese bis zur intensiven Fettwiese oder den im Kanton seltenen Feuchtwiesen, vorgestellt. Ökologische Ansprüche und besondere Verhaltensweisen finden ausführlich Erwähnung und persönliche Beobachtungen und Erfahrungen der beiden Autoren bereichern die Abhandlung. Es wird nicht nur der mahnende Zeigefinger erhoben, wenn es um die Gefährdung besonderer Arten oder den Lebensraumverlust geht, sondern es werden auch erfreuliche Entwicklungen und Anstrengungen aus dem Naturschutz und der Landwirtschaft erwähnt.

Ein kurzes Kapitel mit Hinweisen und Tipps, wie eigene Beobachtungen gelingen und welche Ausrüstung für das Beobachten und Bestimmung hilfreich sind, regt zu eigenen Heuschreckenexkursionen an. Der letzte und ausführlichste Teil ist der Verbreitung sämtlicher nachgewiesener Arten gewidmet. Eine allgemeine Einleitung schildert die Entwicklung der Feldforschung im Kantonsgebiet und die aktuelle Datenlage. Genauso wird die Gefährdungssituation gemäss der Roten Liste der Heuschrecken von 2007 diskutiert. Je acht Arten gelten dabei als „verletzlich“ und „potenziell gefährdet“, was nach dem Kapitel über die Besonderheiten des Gebietes etwas erstaunt. So weisen die Autoren denn auch auf die lokale Bedeutung einiger Arten hin und werfen immer wieder einen Blick über die Landesgrenze, um die regionale Bedeutung und Gefährdungssituation zu beleuchten. Neben den Verbreitungskarten ist für jede Art ein Phänologie-Diagramm der lokalen Beobachtungsdaten abgebildet. Der Text informiert über die Verbreitung, Phänologie und über die Lebensräume, wobei sowohl lokale Eigenheiten als auch Angaben aus der Literatur berücksichtigt werden.

Zusammenfassend lässt sich das Werk als rundum gelungene Lokalfauna bezeichnen, welche sowohl Biologie als auch Ökologie der Gruppe der Heuschrecken ausführlich beleuchtet. Viel Information wurde erstaunlich kompakt auf 130 Seiten untergebracht und trotzdem bleiben die Texte leicht leserlich und spannend. Dabei gelang den Autoren das Kunststück, weder die Seiten zu überladen noch die Gestaltung zu strapazieren. Grosse und aussagekräftige Bilder der Arten, der Lebensräume sowie spezieller Verhaltensweisen, wie Kopulation, Gesang, Eiablage, Eigelege, Larven und Häutungen bereichern den fundierten Text.

Für Kritik bleibt dabei wenig Raum. Einzig bei den Verbreitungskarten wünschten wir uns auf der Geländekarte ein paar Ortsangaben als Orientierungspunkte. Bleibt zu hoffen, dass in den kommenden Jahren ähnliche Werke aus anderen Kantonen der Schweiz erscheinen. Allerdings wurde mit den „Heuschrecken im Kanton Schaffhausen“ die Messlatte hoch angesetzt. Wir gratulieren den beiden Autoren zu diesem schönen und vollumfänglich geglückten Werk.

Florin Rutschmann und Christian Roesti (12.02.2013)

4.4/5 Bewertung (39 Stimmen)

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.