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Dociostaurus maroccanus

(Thunberg, 1815)

DE:

Marokkanischer Kreuzgrashüpfer

EN:

Moroccan Cross-backed Grasshopper

Synonyme

Gryllus cruciatus Charpentier, 1825 | Dociostaurus maroccanus degeneratus Baranov, 1925 | Dociostaurus (Dociostaurus) marrocanus [sic] Thunberg, 1815 | Epacromia oceanica Walker, 1870 | Oedaleus infernalis infernalis Steinmann, 1965 | Oedipoda vastator Fischer von Waldheim, 1833 | Dociostaurus maroccanus xanthocnema Tarbinsky, 1932

Morphologie

Dociostaurus maroccanus gehört zu den grössten Grashüpfern und gleicht der Kreuzschrecke (Oedaleus decorus), die zu den Ödlandschrecken gehört. Typisch sind die drei dreieckigen bis rechteckigen dunkelbraunen Flecken auf der Oberseite der Hinterschenkel, die auf den Aussenseiten auslaufen. Auffallend ist die weiss gefärbte Halsschildzeichnung, die nach innen dunkel gesäumt sind und von oben betrachtet ein X andeuten. Effektiv ausgebildet sind die Seitenkiele nur in der hinteren Halsschildhälfte. Typisch ist zudem ein heller Fleck in der unteren Hälfte der Halsschild-Seitenlappen, der meistens von einem schwarzen Feld umgeben ist. Die Vorderflügel überragen bei beiden Geschlechtern die Hinterknie und sind deutlich länger als bei Dociostaurus brevicollis. Das Medialfeld und das Flügelende sind mit einer kontrastreichen Fleckung gezeichnet. Das Knie ist dunkel bis vollständig schwarz und wird unterhalb durch einen hellen Ring vom Schenkel und der Schiene getrennt. Die Hinterschienen sind rötlich.

Grössenangaben
  • ♂ 16-30 mm
  • ♀ 23-37 mm

Gesang

Der Gesang von Dociostaurus maroccanus besteht aus einer Reihe von 6-12 regelmässig aneinandergereihten Einzelsilben und klingt wie ein "tr-tr-tr-tr-tr-tr". Der eher leise Gesang ist unauffällig und wird in der allgemeinen Geräuschkulisse gerne überhört. Der Gesang kann sowohl mit nur einem Hinterbein als auch mit beiden Hinterbeinen erzeugt werden. Die Gesänge der Dociostaurus-Arten sind sich sehr ähnlich und zur Unterscheidung im Feld wenig geeignet.

Video: Wolfgang Forstmeier

Spontangesang von Dociostaurus maroccanus - FR, Bouches-du-Rhône, Crau, 23.06.2009, Zimmertemperatur.

Mehrere dreisilbige Verse aus dem Rivalengesang von Dociostaurus maroccanus, zwei Männchen sind involviert - FR, Bouches-du-Rhône, Crau, 23.06.2009, Zimmertemperatur.

Mehrere dreisilbige Verse aus dem Rivalengesang von Dociostaurus maroccanus, zwei Männchen sind involviert, die Pausen zwischen den Versen wurden nachträglich gekürzt - FR, Bouches-du-Rhône, Crau, 23.06.2009, Zimmertemperatur.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Dociostaurus maroccanus reicht von den Kanarischen Inseln über Nordafrika, den grössten Teil der Iberischen Halbinsel und das Mittelmeergebiet bis nach Kasachstan. Auf dem Balkan ist die Art weit verbreitet. Mitteleuropa gehört nicht zum eigentlichen Verbreitungsgebiet von Dociostaurus maroccanus. Jedoch erreicht die Art in Mittelungarn fast die slowakische Grenze. Während Massenvermehrungen in Südeuropa und den damit verbundenen Wanderungen gelangten früher immer wieder einzelne Individuen nach Mitteleuropa, wo sich die Tiere für kurze Zeit halten konnten. In Italien ist die Art hingegen nur lokal verbreitet.

This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.

Phänologie & Lebensweise

Ausgewachsene Tiere von Dociostaurus maroccanus treten von Mai bis Anfang Oktober auf, mit einem Höhepunkt im Juni und Juli. Die Männchen legen in den übersichtlichen Lebensräumen grosse Strecken zurück und steigen immer wieder auf erhöhte Warten wie kleine Steine, wo sie ihren kratzenden Gesang äussern. Beide Geschlechter können ziemlich gut fliegen. In manchen Jahren können Massenvermehrungen der Art auftreten. Dann kann es zur Ausbildung einer Wanderphase kommen, die sich von der sesshaften Form durch etwas längere Flügel und weniger deutlichen, dunklen Flecken an der Oberkante des Hinterschenkels auszeichnet. Diese Wanderphase ist früher schon bis nach Niederösterreich vorgedrungen und hat Schäden in der Landwirtschaft angerichtet. Es können aber auch immer wieder lokale Massenvermehrungen vorkommen, die keine Flugschwärme bilden. 1993 gab es in Zentralungarn eine Massenentwickliung mit gebietsweise bis zu 200–300 Individuen pro Qudratarmeter. Es kam dabei kaum zu Schäden, wenn dann an brachliegenden Luzernenfeldern. In manchen Jahren findet man oft Tiere mit roten Milben.

Lebensraum

Dociostaurus maroccanus ist ausgesprochen wärmeliebend und bevorzugt trockene, schnell austrocknende, steinige, erdige oder sandige Lebensräume. Die Art besiedelt dürre Standorte mit guter Besonnung sowie einer niederwüchsigen und lückigen Krautschicht. Typische Lebensräume sind Steppenlandschaften, Flussbetten, Weiden und steinige Flächen in der Macchie oder Garrigue, die viel Rohboden und steinige Partien aufweisen. Sehr typische Lebensräume sind etwa die südfranzösische Crau oder kalkige Hügel an der dalmatinischen Küste Kroatiens.

Gefährdung & Schutz

Dociostaurus maroccanus wird von der IUCN als Least Concern (LC) eingestuft. Die Art toleriert starke Beweidung oder profitiert sogar davon. Das Verbuschen von Dünen und offenen Flächen kann dagegen negative Auswirkungen haben.

Rote Listen
  • CH:
    Abwesend
  • DE:
    Abwesend
  • AT:
    Abwesend
  • Europa:
    LC (Nicht gefährdet)

Ähnliche Arten

In Südosteuropa von Ostösterreich über Ungarn bis über die gesamte Balkanhalbinsel kommt mit Dociostaurus brevicollis eine sehr ähnliche Art vor. Dociostaurus brevicollis ist kleiner, die Fühler sind im Verhältnis zur Körperlänge länger, die Hinterschenkel schlanker, der Kopf ist im Vergleich zum Körper grösser und die Flügel sind kürzer. Aufgrund der angedeuteten X-Zeichnung auf dem Halsschild bestehen Ähnlichkeiten mit Oedaleus decorus. Diese ist jedoch noch etwas grösser und die Hinterflügel sind gelblich mit dunklem Band. Das Halsschild von Oedaleus decorus besitzt einen erhabenen Mittelkiel. Dociostaurus maroccanus ist nie grün. Die Hinterflügel der Dociostaurus-Arten sind transparent. Regelmässig wird Dociostaurus maroccanus zusammen mit Calliptamus-Arten angetroffen. Diese unterscheiden sich von Dociostaurus durch die grossen Augen, das Fehlen der dunklen Flecken auf den Hinterschenkeln, die geraden Halsschild-Seitenkiele sowie die ausgeprägten, zangenartigen Cerci der Männchen und die Hinterflügelfärbung.

Dociostaurus brevicollis

Oedaleus decorus

Acrotylus longipes

Acrotylus patruelis

Acrotylus insubricus

Calliptamus italicus

Calliptamus barbarus